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Gelebte BioRegio-Kooperation: Mainz und Heidelberg rücken zusammen

Kooperieren ist schön und gut, eine echte Life-Sciences-Städtepartnerschaft unter deutschen Biotech-Regionen hat man noch nicht gesehen. Genau das haben die Bürgermeister der Städte Heidelberg und Mainz nun in einem Memorandum of Understanding beschlossen: eine engere Zusammenarbeit der Clusterorganisationen und Technologietransfereinrichtungen. Damit wird eine Blaupause geschaffen für andere Regionen, die in großer Zahl seit dem BioRegio-Wettbewerb entstanden sind. Interessant ist, dass ebenso ausdrücklich die Tür geöffnet wird für weitere Partnerregionen, womit ein geographisch benachbarter Großraum gemeint sein könnte.

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Die Städte Heidelberg und Mainz rücken enger zusammen: Mit einer neuen Innovationspartnerschaft wollen sie die Biotech-Region Neckar–Rhein–Main im internationalen Wettbewerb stärken. Ein entsprechendes Memorandum of Understanding unterzeichneten die Oberbürgermeister Eckart Würzner und Nino Haase im Heidelberger Rathaus.

Ziel ist es, einen bereits heute leistungsfähigen, aber fragmentierten Innovationsraum stärker zu vernetzen – von Mainz über Darmstadt und Kaiserslautern bis in die Metropolregion Rhein-Neckar. Die Region zählt laut Studien bereits zu den führenden Biotech-Hubs in Deutschland, soll  künftig aber noch sichtbarer und schlagkräftiger werden.

Mehr kritische Masse durch Kooperation

„Nur durch Zusammenarbeit können deutsche und europäische Innovationsräume im globalen Wettbewerb bestehen“, betonte Würzner mit Blick auf die internationale Konkurrenz aus Standorten wie Boston oder Singapur. Die Kooperation sei bewusst offen angelegt, um weitere Partner einzubinden. Auch Haase sieht in der engeren Verzahnung einen entscheidenden Hebel: „Mit dieser Partnerschaft bringen wir zentrale Akteure enger zusammen und schaffen neue Dynamik für Innovation, Gründungen und Wachstum.“ Ziel sei es, wissenschaftliche Stärke schneller in wirtschaftliche Anwendungen zu überführen.

Inhaltlich setzt die Vereinbarung auf eine engere Zusammenarbeit der Technologieparks, gemeinsame Programme für Start-ups sowie den Ausbau von Infrastruktur und Flächen. Auch neue Testumgebungen und sogenannte Sandbox-Formate sollen Unternehmen den Zugang zu beiden Standorten erleichtern. Die Partner setzen dabei auf komplementäre Stärken: Während Heidelberg als Zentrum für Grundlagenforschung und datengetriebene Medizin gilt, hat sich Mainz insbesondere mit biotechnologischen Innovationen und industrieller Umsetzung – etwa im Bereich RNA – international positioniert. Unterstützt wird die Kooperation von regionalen Netzwerken wie BioRN und Plattformen wie BioVation RLP.

Gemeinsamer Auftritt

Die Partnerschaft soll nicht nur auf dem Papier festgehalten werden. Man will offensichtlich und sichtbar auch den regionalen Wettbewerb um die internationale Aufmerksamkeit einhegen und von nun an gemeinsamer marschieren. Denn die Zusammenarbeit beinhaltet ausdrücklich auch das Ziel, gemeinsame Marketing- und Internationalisierungsaktivitäten auf den Weg zu bringen. Mit der Partnerschaft reagieren beide Städte auf den zunehmenden internationalen Wettbewerb um Talente, Kapital und Unternehmen. Aus einem starken regionalen Ökosystem soll ein noch enger verzahnter Innovationsraum entstehen, der auch global besser wahrgenommen wird.

Heidelberg hat mit einer Fülle international bestens positionierter Wissenschaftseinrichtungen wie dem EMBL, dem DKFZ sowie einer neuen Klinikallianz der Krankenhäuser von Heidelberg und Mannheim und einer starken Universität eine ausgezeichnete wissenschaftliche Basis in die Partnerschaft einzubringen. Mainz steht dem kaum nach, hat mit neueren Einrichtungen der Wissenschaft aber noch nicht das hohe internationale Ansehen erreicht. Dafür hat man mit dem Branchenprimus BioNTech sowie der Technologietransfereinrichtung TRON zwei Kraftzentren in der Wirkstoffentwicklung und der Translation aus der klinischen Forschung vorzuweisen.

„Aus Sicht der Standortentwicklung in Mainz ist das MoU vor allem ein Beschleuniger für eine bereits bestehende und gute Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren an beiden Standorten. Entscheidend ist die kritische Masse: Wenn man Mainz, Heidelberg und die umliegenden Standorte als zusammenhängenden Raum denkt, entsteht eine der dynamischsten Life-Science- und Biotech-Regionen Deutschlands – mit starker Forschung, wachsender Startup-Szene und zunehmender industrieller Wertschöpfung“, so Felix Wälder, Geschäftsführer der biomindz Standortentwicklungsgesellschaft Mainz mbH. „Die Kooperation erhöht die Sichtbarkeit, stärkt die Dynamik und macht den gesamten Standort im internationalen Wettbewerb noch attraktiver.“

Heidelberg, Mainz und … – wer könnte noch dazukommen?

Für Start-ups hatte sich bereits eine Kooperation zwischen Heidelberg und dem Mainzer TRON entwickelt- Auch das neugegründete BioLabs als Maker-Space für die Life Sciences sowie eine große Infrastrukturmaßnahme in Mainz für neue Laborflächen sorgen für große Dynamik der bisher wettstreitenden Platzangebote. Dies nun gebündelt und koordiniert aufzustellen, zu vermarkten, aber auch die Gründer stärker aus einer Hand und quasi fallweise in der Übergabe von Ort zu Ort zu betreuen und an relevante Partner in Klinik oder auf der Finanzierungsseite zu begleiten, erweitert den Zusammenhang der Möglichkeiten in der Fläche, aber auch über die personellen Ressourcen gewaltig.

Auch der Main darf mitgedacht werden findet nicht nur Dr. Julia Schaft, Managing Director bioRN Network e.V:„Mit dem Memorandum of Understanding entsteht eine gemeinsame Vision: die Region Neckar–Rhein–Main als einen der führenden internationalen Life-Science-Standorte zu positionieren, der weltweit Talente, Start-ups und Investments gezielt anzieht. Die Kooperation wird bereits auf wissenschaftlicher Ebene gelebt (Beispiel Hi TRON), auch global agierende Unternehmen aus unseren Regionen kennen keine Ländergrenzen und wissen, welches Potenzial in standortübergreifender Zusammenarbeit steckt.“ Damit streift Julia Schaft auch ein Thema, das oft nur im Hintergrund köchelt: in wie vielen lokalen Netzwerken oder gar Fördervereinen die immergleichen Industrieunternehmen eigentlich vertreten sein müssen und dafür auch finanzielle Beiträge zu entrichten haben, um dem Ökosystem etwas Gutes zu tun. „Die Unterzeichnung des MOU auf städtischer und Cluster-Ebene ist nun der Beschleuniger für die nächste Entwicklungsstufe“, kommentiert Schaft weiter. „Jetzt geht es darum, dieses Potenzial gezielt auszubauen – durch gemeinsame Plattformen, vernetzte Veranstaltungsformate und eine schnellere Translation von Forschung in Anwendung. Für uns als bioRN Life Science Cluster ist klar: Je stärker wir unsere Kompetenzen bündeln, desto größer wird unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit.“

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